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ET030 - Bunt ist die Mutation und Blendgranatenstark!

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Wächst ein Kristall aus dem Zehennagel...

Titelbild © by Netflix


Tief in der Zone, wo Naturgesetze anders sind und Phänomene unerklärbar, wartet ein außerirdisches Artefakt darauf das Leben unserer Protagonist(inn)en zu verändern. Klingt grob nach den Strugatzkis und Tarkovski? Nee, wir reden über ANNIHILATION von Alex Garland, der auf dem gleichnamigen Roman von Jeff Vandermeer basiert. Bunte Blumen, groteske Mutationen, (un)nötige Flashbacks – nachdem wir um die international fehlende Kino-Auswertung getrauert, sowie den obligatorischen “wir versuchen Netflix zu verstehen”-Umweg hinter uns gebracht haben, geht es dem EX MACHINA-Nachfolger an den Kragen. Ist das alles stimmig, besteht es unter dem eigenen Anspruch die dichte Atmosphäre des Romans einzufangen und sind wir völlig zufrieden? Größtenteils! Solltet ihr gucken – viel Spaß!



Direktlink – © by Paramount/Netflix


Timecodes der Sendung
00:00:00 Intro-Gefasel
00:07:00 Ein “Netflix-Original” – was passiert auf der Platform?
00:40:00 Produzenten Legende David Ellison hat ANNIHILATION bei Netflix gedumpt
00:49:00 Entstehungsgeschichte der Roman-Adaption
01:02:00 Worum geht es im Film?
01:08:00 Ab jetzt Besprechung des Films inkl. SPOILER
01:09:00 DNA und Deep Dream-Mutationen in der Area X
01:21:00 Traumlogik, Wahrnehmungslücken und Unterschiede zum Buch
01:30:00 Fantastische Sound-Eskalation im Score
01:35:00 Bunte und unwirkliche Welt
01:42:00 Doppelgänger, Motivation der Figuren, Story-Beats
02:04:00 Interpretation des Finales und lockeres Ausfransen zum Ende


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Leider gibt es ANNIHILATION nur auf Netflix, hier aber Links zum Roman:

Und über dieses Amazon-Widget könnt ihr all den weiteren Kram, über den im Podcast gesprochen wurde suchen. Wenn ihr dann etwas kauft, habt ihr frische BDs & DVDs und wir bekommen einen kleinen Teil des Kaufpreises gut geschrieben, um unsere Server zu bezahlen, ohne dass es für euch mehr kostet. Win/Win, oder?

7 comments

  1. Micha says:

    Schöner Podcast. Hatte den Film gestern gesehen und mich dann um so mehr gefreut, dass nach der langen Pause gerade dieser Film auserwählt würde…

    Ein paar kleine Anmerkungen:
    Ich glaube der Film läuft durchaus in Kinos. Zumindest in den USA, Kanada und China oder so. Für den europäischen Markt war er dann wohl doch zu intelligent 🙂

    Wegen der 8 auf Portmans arm: gibt es nicht eine kleine Szene wo sich die Biologin wundert, warum sie einen blauen Fleck auf dem Arm hat? Daraus entsteht später die 8. Oder?

    Wegen Charaktertiefe:
    Ich finde die flashbacks durchaus gelungen, da ansonsten der Film ausschließlich über Atmosphäre funktionieren würde. Zumindest hat die beiologin einen Unterbau bekommen. Alle anderen Teilnehmerinnen bleiben da für mich zu blass und somit austauschbar.

    LG

    • Oh nein, so viel Freude zu unserem “Comeback” und wir antworten nicht mal. SOrry, ist durchgerutscht

      Danke für die Gedanken zum Film, die Nummer mit der 8 wurde hier weiter unten auch bestätigt.

  2. Lydia says:

    Eure Empfehlung konnte ich mir nicht entgehen lassen Es hat sich gelohnt.

    Micha hat Recht: Die 8 auf dem Arm hat zuerst nur Anya. Im Kanu entdeckt Lena dann einen blauen Fleck an ihrem Arm. Später, als sie ihr Blut testet, sieht man, dass der blaue Fleck sich zur 8 geformt hat. Im Verhörraum ist es dann genau dieselbe Tätowierung wie von Anya. Das ist interessant, denn eine Tätowierung ist ja nichts genetisches, kann also nicht durch die Streuung der DNA übertragen worden sein. Es beleuchtet also rein die Facette des Shimmers, die sich mit dem Doppelgänger-Motiv beschäftigt. Lena zeigt ihren Arm mit der 8 als sie von dem “Echo” redet. Sie hat demnach definitiv etwas aus der Zone mitgenommen.

    Ich denke, der Gedächtnisverlust ist nicht unbedingt eine bloße Übernahme aus dem Buch ohne die Hypnose oder eine Darstellung des Traumhaften. Im Film wird es eigentlich direkt mit der Streuung im Shimmer in Verbindung gebracht. Dr. Ventress zählt die “einsetzende Demenz” als Symptom der Streuung auf und Kane erzählt im Video auch, dass er unter der Zerstreuung seiner Gedanken leidet. Die Gedanken sind also Informationen, die gestreut werden genau wie die Funkwellen, die DNA usw.

    Ihr habt euch ja gefragt, inwiefern Garlands Leitmotiv der Selbstzerstörung tatsächlich in diesem Film steckt. Ich glaube mit den Einzelschicksalen und dem Hineingehen in den Shimmer ist es längst nicht getan. Wie ihr sagtet ist es einerseits natürlich das Fremdgehen, der Alkoholismus, die Selbstverletzung, die Selbstaufgabe. Der Krebs scheint hier aber noch eine besondere Rolle zu spielen und Fabian war dem ganzen schon auf der Spur. Der Krebs zerstört seinen Wirt und dadurch irgendwann sich selbst. Die Wissenschaftlerinnen sehen das Verhalten von Krebsgeschwüren in den Pflanzen. Sie wuchern durch die Mutation wie Tumore in den schönsten Farben und dennoch empfinden die Frauen es als bösartig und beängstigend. Dabei ist der hier dargestellte Krebs eigentlich eine Metapher für den Menschen. Denn der Mensch zerstört seinen Wirt und wird dadurch sich selbst irgendwann zerstören. Er zerstört seine Umwelt, die Natur, die Erde – das was ihn geschaffen hat und am Leben hält. Ich glaube, deshalb ist die Natur so ein wichtiger Baustein in der Story.
    Es ist der gewaltige Egoismus mit dem wir uns selbst zerstören werden, mit dem wir die Bequemlichkeit unseres modernen Lebens über die Bedürfnisse der Natur stellen. Wir gönnen ihr nicht mal mehr, ihr das zurück zu geben, was wir von ihr geschenkt bekommen haben. Sie hat uns das Leben gegeben, aber sterben wollen wir nicht. Laut Lena sehen wir das Altern und den Tod als Fehler in unseren Genen an, ohne den wir ewig Leben könnten. Und die Wissenschaft setzt alles daran, diese Programmierung zu umgehen. Aber es ist Irrsinn zu glauben, es wäre ein Fehler und wir könnten uns diesem Kreislauf entziehen. Der Tod ist notwendig. Ohne ihn gäbe es keinen Biokreislauf, keine Balance, keine Weiterentwicklung, keine Evolution. Es ist der pure Egoismus des Menschen in einem ewigen Leben nach Macht und Wohlstand zu streben. In diesem Bestreben arbeiten wir nicht nur gegen die Natur, sondern richten sie zu Grunde. Und alles was uns darin behindert, sehen wir als Gefahr. Der Shimmer ist diese Gefahr. Denn dieses riesige, sich unaufhaltsam ausweitende Prisma und seine Streuung können wir nicht kontrollieren. Es verändert die Natur, in der wir leben, die Tiere und den Menschen selbst. Er ändert die Spielregeln und nimmt uns unsere Selbstbestimmung. Das Einzelschicksal jedes Wesens wird durch die Streuung wieder in einen einzigen großen Kreislauf überführt. Es entsteht eine ursprüngliche Balance. Dem Menschen reicht das allerdings nicht als Lebenssinn. Die persönliche Erfüllung ist wichtiger, als Teil eines großen, funktionierenden Systems zu sein. Der Shimmer ist Symbol für eine Evolution, die wir fürchten, weil wir unsere Vormachtstellung aufgeben und dem großen Ganzen dienen müssten. Doch das Ego des Menschen ist größer und so bekämpfen wir, zerstören es schließlich (hier zu nennen der Einsatz von Waffengewalt, teilweise völlig übertrieben und schließlich sogar ohne das Wissen, ob der Gegenüber uns überhaupt schaden wollte) und ignorieren dabei, dass es dem Leben insgesamt vielleicht genützt hätte, es weiterentwickelt hätte, verbessert hätte, gerettet hätte. Dabei war Genetische Vielfalt schon immer ein Hauptfaktor für das Überleben sämtlicher Arten.
    Die Optik des Shimmers mit den schlierenden Farben sieht von außen aus wie eine große Seifenblase. Vielleicht ein Hinweis auf die Zerbrechlichkeit des Lebens.

    Im Endeffekt muss sich der Mensch wohl eingestehen, dass die Selbstzerstörung als genetischer Code in jede unserer Zellen einprogrammiert ist und als Impulse auch unsere Psyche und somit unsere Handlungen bestimmt. Für die Natur ist dieser Faktor allerdings ein Katalysator zur Veränderung und Neuerschaffung – eine Evolution, für die wir nicht unsere Erlaubnis gegeben haben und der wir immer unterlegen bleiben werden. Die Auslöschung ist also nur ein Aspekt unseres Blickwinkels. Auf der anderen Seite wird immer das Leben stehen.

    Eine wahre und hoffentlich so gedachte Aussage. So würden sämtliche Aussagen im Film für mich einen Sinn ergeben. Die Atmosphäre tut ihr übriges. Und ist es nicht bezeichnend, dass wir zwar Bilder einer paradiesischen Natur, bunt und lichtdurchflutet sehen und es gruselig und bedrohlich erleben, nur weil es anders ist, als das was wir kennen?

    • Ich fühle mich immer ein wenig schlecht, wenn ich sehr lange Kommentare sehr kurz beantworte, aber hey, zu deiner Krebs-Mensch-Natur Selbstzerstörungs-Analogie und der folgenden brillanten (!) Erklärung deiner Gedanken, fällt mir eigentlich nur eins ein: NAILED IT!

      Danke, dass du diese tollen Gedanken mit uns geteilt hast!

      • Lydia says:

        Danke, Arne

        Kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Im Gegenteil. Ich bin froh, dass ich meine Gedanken mit jemanden teilen kann, von dem ich weiß, dass er mit der Komplexität und der Thematik auch was anfangen kann.

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